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FOTO: Beil

Kampagne

SBR/Stolbur - die neue Herausforderung!

„Gummirüben“ werfen Fragen auf

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Kampagne

SBR/Stolbur - die neue Herausforderung!

„Gummirüben“ werfen Fragen auf

be – Lange Zeit sah es in allen Regionen des fränkischen Anbaugebietes nach einem hervorragenden Rübenjahr 2023 aus. Die reichlichen Niederschläge Ende Juli und im August ließen selbst auf den spät gesäten Schlägen einen deutlich überdurchschnittlichen Ertrag erwarten. Der parallel weiterhin positive Zuckermarkt wird in vielen Betrieben die Wirtschaftlichkeit der Zuckerrübe im Wettbewerb der Kulturen – nach einigen ernüchternden Jahren – wieder auf die Pole-Position bringen. Leider trat dann im Kerngebiet die SBR-/Stolbur-Krankheit mit einer Geschwindigkeit und einem bisher nicht gekannten Schadensausmaß auf, dass dort die Erwartungen inzwischen deutlich relativiert werden müssen.

SBR/Stolbur

Nachdem die Rübenbestände in der ersten Septemberwoche in wenigen Tagen die typische Gelbverfärbung der SBR-Krankheit annahmen, fielen anschließend in vielen Schlägen einzelne Rüben bzw. Nester mit schlafenden Rüben auf. Beim Ausgraben hatten diese „gummiartige“ Wurzelspitzen und der Rübe fehlte der Zelldruck, d.h. auch im Innern waren die Rüben „gummiartig“. Sehr schnell war klar, dass dies eine neue Ausprägung der SBR-Krankheit ist. Die Infektion erfolgt ebenfalls durch die Zikaden, allerdings werden zusätzlich Bakterien der Stolbur-Gruppe übertragen. Der Erreger tritt auch in Kartoffeln und Reben auf. Abzuwarten bleibt, wie sich die Situation in den Beständen, der Miete und bei der Verarbeitung weiterentwickelt. Über die jetzt ad hoc zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wurden Vertrauensleute und Anbauer im Vorfeld der Kampagne per Felderbegehung und Rundschreiben informiert.

Zahlreiche Rübenbestände im südlichen Einzugsgebiet der Zuckerfabrik Ochsenfurt sind gezeichnet von der SBR/Stolbur-Krankheit und mittlerweile auch Cercosporabefall. Typisch für das Stolbur-Bakterium sind die welkenden Blätter und „gummiartige“ Rüben mit häufig auch an den Wurzeln zu findenden weißen Nymphen. FOTO: Beil

Blattkrankheiten

Das gemeinsame Blattkrankheiten-Monitoring von staatlicher Beratung und der Zuckerwirtschaft erfolgte von Anfang Juli bis Anfang September wöchentlich auf insgesamt 16 Schlägen. Nach zunächst geringem Cercosporadruck ist ab Mitte August die Befallshäufigkeit, d.h. die Anzahl der Blätter mit einem oder mehreren Cercospora-Flecken deutlich angestiegen.

Rückblickend wurden die Anbauer mit dem Warn- bzw. Kontrollaufruf Anfang August rechtzeitig informiert bzw. sensibilisiert. In der Regel reichte auf vielen Schlägen eine Fungizidbehandlung in der ersten Augusthälfte zur Kontrolle der Blattkrankheiten aus. Bei keiner oder nicht termingerechter Applikation ist die Befallsstärke ab Mitte September teilweise nochmal gewaltig angestiegen, besonders in den SBR-geschwächten Beständen.

Proberodung

Die Rohstoffabteilung Ochsenfurt führt seit der 31. KW (Anfang August) bis zur 41. KW (Mitte Oktober) wieder im 14-tägigen Abstand auf 21 Standorten die Proberodungen durch. Während die ersten Ergebnisse noch vom Erntewetter bis zum 24. Juli mit 46,4 t/ha Ertrag und 20,7 % Zuckergehalt geprägt war, holte mit jeder weiteren Proberodung der Ertrag im Vergleich zum Fünfjahreswert relativ betrachtet auf.

Bei der 5. Proberodung – direkt vor dem Kampagnebeginn - lagen die 21 Standorte handgerodet mit 87,4 t/ha um 23 % über dem Vorjahr und 5 % über dem 5 jährigen. Mit 16,8 % ist der Zuckergehalt exakt auf dem Niveau des Vorjahres und 10 % unter dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre von 18,8 %. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass Ertrag und Zuckergehalt im Herbst noch etwas zulegen.

Kampagne

Die Kampagne startete in Ochsenfurt am Montag, den 2. Oktober bei besten äußeren Bedingungen. Mit der Verarbeitung der Rüben hat das Werk am darauffolgenden Dienstag begonnen. Parallel begann auch die konventionelle Kampagne in Rain am Lech. Wie in den Vorjahren erfolgt bei der Anfuhr eine reduzierte Probenahme und Schätzung. Die ersten zwei Lieferungen einer Miete werden grundsätzlich beprobt und geschätzt (Ausnahme Beiladungen), anschließend noch jede Zweite. Als Ersatzwert beim Besatzabzug werden wieder die Schätzwerte der vorhergehenden Lieferung herangezogen. Die Kampagneplanung in Ochsenfurt basiert auf dem Durchschnittsertrag von 73 t/ha und einer durchschnittlichen Tagesverarbeitung von 15.000 t Rüben. Demnach würde die Kampagne bis etwa Mitte Januar dauern (Rain würde bei 92 t/ha bis in den Februar arbeiten).

Biorübenkampagne

Abgeschlossen ist bereits die Biorüben-Kampagne in Rain am Lech (15.09. bis 02.10.2023). Die 118 Biorübenbauern Frankens haben auf 1.163 ha Anbaufläche insgesamt etwas über 73.200 t Biorüben erzeugt. Mit knapp 63 t/ha erreichen diese einen erfreulich guten Durchschnittsertrag, wobei die Erträge – je nach Bestandesdichte und Beikrautbesatz - von unter 30 t/ha bis über 90 t/ha ausgefallen sind. Den nicht immer einfachen Transport der Biorüben nach Rain am Lech haben dabei die bäuerlichen Gemeinschaften wieder hervorragend erledigt... Kompliment und vielen Dank!

Ausblick

Zweifelsohne ist die SBR-/Stolbur-Situation für die Anbauer und Fabriken in den betroffenen Regionen gleichermaßen besorgniserregend. Dabei ist es bisher nicht bekannt, ob es sich bei diesem Phänomen um einen Jahreseffekt handelt. Alle Beteiligten sind jetzt jedoch gut beraten, nicht in den Panikmodus zu verfallen. Wissenschaft, Züchtung und das Versuchswesen forschen bzw. arbeiten mit Hochdruck an Lösungen; u.a. prüft die ARGE Franken Sorten und verschiedene anbautechnische Möglichkeiten (Pflanzenschutzmittel, Fruchtfolge, etc.).

Sobald Versuchsergebnisse oder Ansätze jeglicher Art vorliegen, werden die Anbauer umgehend informiert. Aus den Erfahrungen der Vergangenheit ist ein gewisser Zweckoptimismus durchaus gerechtfertigt - das gute Zusammenspiel der „Zuckerrübenfamilie“ hat schon häufiger schwierige Situationen bzw. besondere Herausforderungen (Rizomania, Nematoden, etc.) gemeistert.


Christian Beil